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  • Live Audio Rooms: kündigt Facebook seine Rückkehr an die Spitze der Podcast-Szene an?

    Genau wie der Erfolg von Video, der von YouTube angetrieben wurde, erlebt auch Audio einen spektakulären Boom. Dieses Format, das seit dem ersten Lockdown ein wichtiger Trend ist, hat noch nie so viel von sich reden gemacht und wird auch in Zukunft nicht aufhören.
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    Die Nutzer mögen Audio, weil es als weniger aufdringlich angesehen wird. Es hat auch dazu beigetragen, Beziehungen während der Lockdowns zu stärken; neben Textnachrichten wurden inzwischen auch die allseits beliebten Sprachnotizen eingeführt.

    Auf der Angebotsseite wird die Audio-Landschaft immer vielfältiger. Die immer zahlreicher werdenden Podcasts koexistieren jetzt mit dem digitalen Audio, einem neuen Dienst, der von sozialen Plattformen angeboten wird. Jüngstes Beispiel ist der Gigant Facebook, der in dieses Format investiert, indem er ein Live-Audio-Diskussionstool und bald auch Podcasts anbietet. 

    Podcasts, Live-Audio... der Live-Audio-Markt boomt

    87% der Franzosen hören jeden Tag Audio

    Laut einer von Harris Interactive durchgeführten Umfrage hören 87 % der Franzosen täglich Audio. Dieses Format hat den Vorteil, dass es überall konsumiert werden kann: auf dem Weg zur Arbeit im Auto, auf dem Mobiltelefon unterwegs oder direkt am Computer zu Hause. Egal, wo und wie man zuhört, Audio nimmt den Hörer einfach mit und fesselt ihn mehr als andere Medien. 

    Für Marken ist es auch eine Chance, in Erinnerung zu bleiben: 75 % der Hörer erinnern sich an einen Markennamen, der in Audioinhalten gesprochen wird.

    Der Aufstieg der Podcasts

    Audio ist heute ein Synonym für Podcasts. Im Jahr 2020 wurden weltweit 900.000 Podcasts erstellt, d. h. fast dreimal mehr als 2019 (Quelle: Chartable). Auch in Frankreich hat der Podcast seine Stimme gefunden: 

    • 12,3 Millionen Menschen hören mindestens einmal im Monat einen Podcast, 15 % mehr als im Vorjahr (Quelle: Médiamétrie). 
    • 60 % der Verbraucher sind unter 35 Jahre alt – das ist erst der Anfang für den Audiobereich (Quelle: Médiamétrie).
    • Die Marken beginnen, sich das weniger werbliche Format anzueignen: Bis 2022 könnte der globale Podcast-Markt 4,5 % der Ausgaben für Audiowerbung (gegenüber 1,9 % im Jahr 2018) oder 1,6 Milliarden Dollar abziehen (Quelle: Warc).  Einige gehen noch weiter und erstellen sogar ihren eigenen Podcast. Die Zahl der Marken-Podcasts ist von 6 im Jahr 2016 auf 102 im Jahr 2020 gestiegen (Quelle: M6’s branded podcast observatory). 

    Das Aufkommen von Social oder Conversational Audio

    Neben den Podcasts ist das Aufkommen von Social oder Conversational Audio eine Antwort auf die starke Nachfrage nach virtuellen Räumen für Diskussionen. Die Idee ist, Zeit miteinander zu verbringen, und zwar per Sprache. Auf sehr einfache und natürliche Weise ermöglichen Sprachnachrichten eine Verbindung, die näher an der Realität sind als Text. Bei Messenger und WhatsApp explodierten sie während des Lockdowns. Ein neuer Trend, der den Markt logischerweise dazu zwingt, sich anzupassen. Um noch einen Schritt weiter zu gehen und die Idee, dass der Live-Chat eine besondere Verbindung schafft, aufrechtzuerhalten, sind neue Dienste entstanden, wie Discord oder ClubHouse

    New call-to-action

    Der Tod von ClubHouse?

    Ein kometenhafter Aufstieg in kurzer Zeit

    ClubHouse war zweifellos der Ursprung des Social-Audio-Trends, verschwand aber ebenso schnell wieder von der Bildfläche, wie er entstanden ist. Die Audio-App, die nur auf Einladung funktioniert, war schnell in aller Munde, da viele von uns versuchten, Zugang zu den « Räumen » zu erhalten, um Gespräche zu führen oder anzuhören. 

    Innerhalb eines Jahres wurde sie über 32 Millionen Mal heruntergeladen. Im Februar 2021 erreichte sie mit 9,5 Millionen Downloads einen außergewöhnlichen Spitzenwert. Aber schon im darauffolgenden Monat nahm dieser Trend mit knapp 3 Millionen Downloads im März eine neue Wendung. Zuletzt waren es 900.000 im Mai 2021. 

    Übermäßig selektiv und aufdringlich, ClubHouse stürzt ab

    • Der Zugang zu ClubHouse ist sehr selektiv, ja sogar zu selektiv: Er ist nur möglich, wenn man einen bereits registrierten Nutzer sponsert. Eine weitere Hürde: Mehrere Monate nach dem Start hatten nur iPhone-Besitzer Zugang zu der Anwendung. Damit wollten die Macher in erster Linie eine technische Schwäche überwinden. Was die Nutzer betrifft, so zieht dieses Gefühl der Exklusivität anfangs viele Menschen an, doch sehr schnell stellt sich eine gewisse Ermüdung ein. Französischsprachige Konversationen wurden selten und die ersten « Stars » des Netzwerks verließen es.
    • Gleichzeitig sorgt die Anwendung aufgrund der Kritik am Umgang mit den persönlichen Daten der Nutzer für negative Schlagzeilen. In den Datenschutzbestimmungen heißt es, dass bei einer Registrierung die Namen und Nummern aller Kontakte in eine marktfähige Datenbank hochgeladen werden. Das ist eine Nachricht, die die Nutzer abschreckt. 

    Während dieser etwas chaotischen Episoden für die Anwendung beschlossen einige große Akteure, ihrerseits in das Audiogeschäft einzusteigen.

    Facebook führt die Live-Audio-Rooms international ein: ein Weg zum Relaunch?

    Internationale Einführung der Facebook Live Rooms

    In direkter Konkurrenz zu Clubhouse sind die Facebook Live Rooms nun in allen Ländern zugänglich, in denen Facebook präsent ist. Die als alternd beschriebene Plattform – das Durchschnittsalter ihrer täglichen Nutzer liegt bei 45 Jahren, im Vergleich zu 23 Jahren bei TikTok – nutzt die Gelegenheit, um sich mit Audio ein neues Gesicht zu geben. Es ist auch eine Gelegenheit, den Urhebern von Inhalten neue Formate zu bieten.

    Wie funktioniert das?

    Wie ClubHouse sind die Facebook-« Räume » oder Audio-Räume Orte des Live-Austauschs mit anderen Nutzern, direkt auf der Plattform. Jeder Teilnehmer kann sich einmischen, indem er die Hand hebt oder einfach eine Reaktion hinzufügt. Der Zugriff auf die Live-Audio-Räume erfolgt direkt über den Facebook-Newsfeed; der Nutzer kann sich einen Podcast anhören, während er weiterhin auf der sozialen Plattform surft. 

    Verlockende Funktionen

    Facebook ist noch nicht fertig mit den Neuigkeiten zum Thema Audio und testet bereits neue Funktionen in den USA.  Gekürzte Audios, ähnlich wie bei Instagram Reels, und Podcasts werden bald zu den Funktionen der Plattform hinzugefügt werden. Ein Audio-Hub wird alle Audio-Funktionen des Konzerns zusammenführen: von Podcasts über Live-Audio bis hin zu kurzen Audios.

    Facebook Audio Rooms Konkurrenten

    Twitter Spaces

    Auf Twitter sind Twitter Spaces Sprachunterhaltungen zwischen Nutzern der Plattform mit mindestens 600 Followern. Wie Live Audio Rooms ermöglichen Spaces den Nutzern, zu chatten oder einer Unterhaltung beizutreten, um sich über ein bestimmtes Thema auszutauschen und darauf zu reagieren. Twitter erwägt die Einführung eines Online-Kartenverkaufsdienstes, der eine vom Gastgeber festgelegte Anzahl von Plätzen und Preisen anbietet. 

    Greenroom

    Spotify startete Greenroom im März 2021 und schloss sich damit den Konkurrenten von Clubhouse im Bereich der Live-Audio-Chats an. Es handelt sich um eine eigenständige App, die außerhalb von Spotify heruntergeladen werden kann. Das Prinzip ist dasselbe wie bei ClubHouse und den anderen Anbietern: Räume erstellen oder an ihnen teilnehmen. Der Teilnehmer kann sich direkt in einem Audio-Chatraum zu Wort melden oder chatten.