Pride Month in der DACH-Region: So findest Du Partnerschaften für Influencer Marketing

Jedes Jahr im Mai das gleiche Spiel: Das Logo bekommt Regenbogenfarben, ein Post wird geplant, ein Creator gebucht. Vier Wochen später ist alles wieder vorbei. Genau so geht Rainbow-Washing, und das schadet einer Marke mehr, als es hilft. Tatsächlich aber können Pride-Kampagnen in der DACH-Region enorme Wirkung entfalten – jedoch nur, wenn die Marketer:innen bereit sind, sich ernsthaft auf das Thema zu einzulassen.

Gepostet am
June 3, 2026
Junge Leute mit LGBT-Regenbogenflagge
Junge Leute mit LGBT-Regenbogenflagge

INHALTSVERZEICHNIS

Key Takeaways

  • Pride-Kampagnen in der DACH-Region scheitern nicht an fehlender Sichtbarkeit, sondern an fehlender Glaubwürdigkeit. Rainbow-Washing ist erkennbarer denn je, und die Community reagiert entsprechend.
  • Der relevante Aktionszeitraum erstreckt sich von Mai bis Ende Juli, mit lokalen Höhepunkten in Wien, Zürich, München, Köln und Berlin. Eine generische „Juni-Kampagne" greift allerdings zu kurz.
  • Marken, die mit LGBTQIA+-Creators langfristig, fair und transparent zusammenarbeiten, erzielen messbar stärkere Ergebnisse und bauen dabei Vertrauen auf, das weit über den Sommer hinaus trägt.
  • Der DACH-Raum ist kein homogener Markt. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben unterschiedliche Pride-Kalender, rechtliche Rahmenbedingungen und kulturelle Sensibilitäten.
  • Daten von Kolsquare helfen dabei, Creators nach Standort der Zielgruppe, Qualität des Engagements, EMV, Stimmung in den Kommentaren und früheren Marken- bzw. Pride-bezogenen Inhalten zu vergleichen.

Die Entwicklung ist alarmierend. Die Unterstützung der Konsument:innen für Marken, die aktiv für LGBTQIA+-Rechte eintreten, ist in den letzten Jahren signifikant gesunken. Und das hat vor allem einen Grund: Viele Menschen – vor allem innerhalb der Community – haben es satt, wenn Unternehmen, die mit Inklusion nichts zu tun haben, mit einem Regenbogen-Profilbildchen Engagement heucheln.

Rainbow-Washing beschreibt das Phänomen, wenn Marken Pride-Symbolik nutzen, ohne dass dahinter eine echte Haltung, ein konkretes Engagement oder eine nachweisbare Verbindung zur LGBTQIA+-Community steht.

Pride-Kampagnen bewegen sich also auf einem schmalen Grat. Schwache oder unglaubwürdige Umsetzung kann mindestens zwei Zielgruppen verärgern: die LGBTQIA+-Community, die genug hat von Rainbow-Washing, und jene Menschen, die jede Form von Engagement als politische Positionierung wertet. Jede Pride-Kampagne ist also ein Thema der Brand Safety.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Sollen wir zu Pride-Paraden posten?" Sie lautet: „Haben wir uns das Recht erarbeitet, an dieser Konversation teilzunehmen?" Marken, die diese Frage ehrlich beantworten – und die Antwort in ihrer Kampagnenstrategie sichtbar machen –, werden langfristig Vertrauen aufbauen. Alle anderen riskieren, dass ihr Regenbogen-Post mehr schadet als nützt.

Der Pride-Kalender im DACH-Raum

Wer Pride-Kampagnen in der DACH-Region plant, macht einen grundlegenden Fehler, wenn er sie auf den Monat Juni begrenzt. Die Realität der queeren Veranstaltungslandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist deutlich vielschichtiger – und bietet Marken und Creators einen Aktionszeitraum, der sich von Ende Mai bis in den späten Juli erstreckt. Die größten Veranstaltungen sind:

·      Vienna Pride

·      Zürich Pride Festival

·      München PrideWeeks

·      ColognePride

·      Berlin CSD

Diese Streuung ist strategisch relevant. Eine Kampagne, die nur den Juni umfasst, verpasst den Berliner CSD vollständig – eine der größten Pride-Veranstaltungen Europas. Sie ignoriert die ColognePride, die sich bis in den Juli zieht. Und sie behandelt Wien, Zürich und München als austauschbare Kulissen statt als eigenständige lokale Kontexte mit je eigener Community-Geschichte.

Sinnvoll ist daher eine Kampagnenarchitektur in mehreren Phasen. In der Vorbereitungsphase ab Mitte Mai können Creators Hintergründe erklären, persönliche Geschichten teilen und das Publikum auf die bevorstehenden Events einstimmen. Während der Event-Phasen, die je nach Stadt zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, entsteht lokales, zeitgebundenes Storytelling. Nach den Veranstaltungen folgen Recap-Inhalte, Reflexionen und der Übergang in eine langfristige Partnerschaft, die nicht mit dem letzten CSD-Foto endet.

Marken, die diesen Kalender kennen und respektieren, signalisieren etwas Wichtiges: Sie haben sich mit der Realität der Community beschäftigt, nicht nur mit dem Datum im Content-Kalender.

Was macht eine echte Creator-Partnerschaft im Pride-Kontext aus?

Zwischen einer Marke, die einen LGBTQIA+-Creator für einen Post bucht, und einer Marke, die eine echte Partnerschaft aufbaut, besteht ein fundamentaler Unterschied. Und der ist für die Community sichtbar. Er entscheidet darüber, ob eine Kampagne als authentisch oder als dekorativ wahrgenommen wird.

Der erste und wichtigste Grundsatz: LGBTQIA+-Creators werden in eine Pride-Kampagne eingebunden, weil ihre Stimme, ihre Community und ihr Content-Stil zur Kampagne passen – nicht, weil die Marke einen queeren Absender braucht, um glaubwürdig zu wirken. Das klingt selbstverständlich, ist es aber in der Praxis oft nicht. Zu viele Kampagnen behandeln Creators als Dekoration für eine Botschaft, die ohne sie entwickelt wurde.

Content Creators sollten daher früh in den kreativen Prozess einbezogen werden, idealerweise, bevor das Kampagnenkonzept steht und nicht, nachdem es freigegeben wurde. Wer einen Creator erst dann kontaktiert, wenn das Briefing fertig ist, signalisiert: „Wir brauchen dein Gesicht, nicht deine Perspektive." Das ist nicht nur eine verpasste Chance für bessere Inhalte. Es ist auch eine Form von Respektlosigkeit, die erfahrene Creators erkennen und zunehmend öffentlich benennen.

Faire Bezahlung ist entscheidend

Faire Vergütung ist in diesem Zusammenhang kein optionaler Bonus, sondern ein Grundprinzip. Pride-Kampagnen verlangen von Creators oft emotionale Arbeit – das Teilen persönlicher Erfahrungen, das Navigieren von Community-Erwartungen, das Moderieren von Kommentaren zu sensiblen Themen. Diese Arbeit hat einen Wert, der sich in der Vergütung widerspiegeln muss. Marken, die LGBTQIA+-Creators bitten, ihre Geschichte zu erzählen, und dabei unter Marktrate zahlen, reproduzieren genau die Ungleichheit, gegen die Pride ursprünglich angetreten ist.

Ebenso wichtig ist die Frage des Tons. Creator-Content im Pride-Kontext funktioniert dann am besten, wenn er sich wie der Creator anfühlt – nicht wie eine Pressemitteilung mit Regenbogen-Emoji. Überproduzierte, nach „corporate“ klingende Botschaften, die durch den Kanal eines Creators laufen, wirken für dessen Publikum sofort fremd. Marken müssen lernen, loszulassen: klare Werte und Rahmenbedingungen vorgeben, aber den kreativen Ausdruck dem Creator überlassen.

Und was ist mit den Allies?

Ein weiterer Punkt, der in der Praxis oft zu Diskussionen führt: die Rolle von Ally-Creators. Verbündete können in einer Pride-Kampagne durchaus sinnvoll sein – etwa, wenn sie aus ihrer eigenen Perspektive über Allyship sprechen oder wenn sie eine Brücke zu Zielgruppen bauen, die noch wenig Berührungspunkte mit queeren Themen haben. Aber sie sollten LGBTQIA+-Stimmen ergänzen, nicht ersetzen. Eine Pride-Kampagne, in der die lautesten Stimmen von Allies kommen, hat ein strukturelles Problem.

Der Wert der Kontinuität

Und schließlich: Der wichtigste Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Pride-Partnerschaft ist Kontinuität. Creators, die im Juni für eine Marke sprechen und im Juli nie wieder von ihr hören, wissen genau, was das bedeutet. Langfristige Partnerschaften – die über den Sommer hinaus gehen, die im Herbst und Winter sichtbar bleiben – sind das stärkste Signal dafür, dass eine Marke das Thema ernst nimmt.

Wie findet man die richtigen Partner:innen?

Die Auswahl der richtigen Creator-Partner ist der Schritt, an dem viele Kampagnen scheitern. Nicht, weil die Marke böswillig handelt, sondern, weil sie die falschen Kriterien anlegt. Reichweite allein ist kein Qualitätsmerkmal. Follower-Zahlen sagen wenig darüber aus, ob ein Creator in der LGBTQIA+-Community verankert ist, ob sein Publikum in der DACH-Region sitzt, oder ob seine bisherigen Inhalte zu den Werten der Marke passen.

Kolsquare bietet für genau diese Fragestellungen datenbasierte Filtermöglichkeiten, die eine strukturierte Creator-Auswahl ermöglichen. Für Pride-Kampagnen in der DACH-Region sind folgende Parameter besonders relevant:

·      Geografie und Audience-Verteilung: Der Creator selbst sollte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz aktiv sein. Mindestens 30 Prozent des Publikums sollten ebenfalls aus der DACH-Region stammen, sonst verpufft die lokale Relevanz. Wer für die Munich PrideWeeks kommuniziert, braucht einen Creator, dessen Publikum tatsächlich in Bayern oder zumindest im deutschsprachigen Raum lebt.

·      Plattform: Instagram und TikTok sind für visuelle, emotionale Pride-Inhalte die stärksten Kanäle. YouTube Shorts eignen sich für etwas längere Formate wie Creator-Guides oder Community-Spotlights. LinkedIn ist relevant, wenn die Kampagne einen B2B-Winkel hat: etwa, wenn eine Marke ihre eigene Diversity-Strategie kommuniziert oder wenn sie sich an HR-Entscheider richtet.

·      Creator-Typ: Die Bandbreite ist groß und sollte bewusst genutzt werden. LGBTQIA+-Creators aus den Bereichen Lifestyle, Fashion und Beauty haben oft große, engagierte Communitys. Aktivistinnen und Aktivisten bringen politische Tiefe und Community-Glaubwürdigkeit. Queere Unternehmerinnen und Unternehmer verbinden persönliche Geschichte mit wirtschaftlicher Relevanz. Lokale CSD-Stimmen – Creators, die regelmäßig über Berliner, Kölner oder Wiener Pride-Events berichten – sind für standortspezifische Kampagnen besonders wertvoll.

·      Content-Historie: Kolsquare ermöglicht, die bisherigen Inhalte eines Creators zu analysieren. Hat er oder sie in der Vergangenheit über Pride, CSD, Diversity oder soziale Gerechtigkeit gesprochen? Wie hat das Publikum reagiert? Creators, die das Thema nur im Juni aufgreifen, sind weniger glaubwürdig als jene, die es das ganze Jahr über begleiten.

·      Brand Safety: Kommentarqualität und Community-Sentiment sind in diesem Kontext besonders wichtig. Pride-Content zieht mitunter negative Reaktionen an – Marken müssen wissen, wie ein Creator damit umgeht und ob sein Publikum grundsätzlich ein konstruktives, respektvolles Klima pflegt. Kolsquare bietet hier Einblicke in Sentiment-Analysen und Kommentarqualität, die über reine Engagement-Rates hinausgehen.

·      Sponsored Content Performance: Wie hat der Creator in der Vergangenheit mit bezahlten Kooperationen umgegangen? Wirken sie authentisch eingebettet oder wie Fremdkörper? Das Verhältnis von community-getriebenem Content zu produktzentriertem Content gibt Aufschluss darüber, wie ein Creator Partnerschaften gestaltet.

Konkrete Metriken, die bei der Auswahl und dem späteren Reporting verglichen werden sollten: Engagement Rate im Verhältnis zum Marken-Benchmark, Earned Media Value (EMV) der Pride-bezogenen Inhalte, Anzahl der Saves und Shares (als Indikator für inhaltliche Relevanz), Kommentarqualität und Sentiment, Audience Credibility Score sowie die Performance vergangener gesponserter Inhalte.

Wir haben diese Kriterien an unsere Kolsquare-Datenbank angelegt und zum Beispiel diese Content Creators gefunden:

Creator Instagram TikTok Credibility Score Top-Hashtags Profil
Max @321maxx 107K 71,4K 86 #queer
#lgbtqia
#pride
Der deutsche Creator Max ist ein perfektes Beispiel für einen queeren Influencer, dessen Inhalte auch für nicht-queere User:innen hochinteressant sind. Egal, ob Politik, Popkultur, Geschichte oder der ganz normale Alltag: Max betrachtet die Welt durch die Augen eines queeren Mannes und kommentiert sie mit feinem Humor und geschliffener Rhetorik.
Saoirse Mae Bernadette @saoirsemaeb 3,5K 13,8K 75 #transgirl
#transtiktok
#queertiktok
Saoirse Mae Bernadette setzt sich auf intelligente Weise mit dem Thema Trans auseinander – auch bei schwierigen Punkten, etwa zur Frage, wie trans-feindlich die queere Community zum Teil selbst ist. „Wenn du vom Pride Month genervt bist, dann ist das dein Problem, denn es geht um queere Rechte."
Trueee Francesco @true_francesco · @trueee_francesco 353K 725K 76 #wien
#fürdich
#wiener
Der Wiener Trueee Francesco ist in den Sozialen Medien hoch aktiv – oft geht es um Lifestyle, Reisen, Mode. Wie humorvoll er dabei sein kann, zeigt ein Video rund um die Pride: Dem Kommentar „Ich bin dir entfolgt, weil du so schwul bist" begegnet er mit einem Tanzvideo – Chapeau!
Krissi @kristan.bw · @krissi 3,35K 38,8K 78 #typ
#oldenburg
#ikkimel
Viel Alltag, viel Humor, viel Musik. Krissi postet vor allem Lipsync-Videos. Humor beweist er auch rund um den Pride Month: „Happy Pride Month an alle, jetzt dürft ihr mir gerne all euer Geld schicken, um zu beweisen, dass ihr nicht homophob seid."
Rebecca Berger @Twomums_2kids 144K 693K 85 #mamablogger_de
#lustig
#mamablogger
Wie sieht der Alltag zweier Frauen aus, die gemeinsame Kinder großziehen? Rebecca Berger erzählt diese Geschichte mit sehr viel Empathie und sehr viel Humor – und zeigt: Die allermeisten Themen und Situationen kennen Hetero-Eltern ganz genau.
Platform KOLs Total Followers Total Engagements
Instagram 174 9.291.646 1.478.362
TikTok 18 1.521.220 177.138
YouTube 10 5.720.496 22.881

Formate, die wirklich wirken

Ein einzelner Regenbogen-Post am 1. Juni ist kein Kampagnenformat. Er ist ein Kalender-Eintrag. Was zwischen diesen beiden Kategorien liegt, ist der Unterschied zwischen einer Marke, die Pride verwaltet, und einer Marke, die Pride mitgestaltet.

·      Creator-geführtes Storytelling ist das stärkste Format für Pride-Kampagnen. „Was Pride für mich bedeutet" – dieser Ansatz gibt Creators die Möglichkeit, persönlich, spezifisch und zeitgebunden zu sprechen. Er ist nicht generisch, weil er von einer echten Person mit einer echten Geschichte erzählt wird. Er funktioniert auf Instagram als Carousel, auf TikTok als Video-Essay, auf YouTube als längeres Format.

·      Lokale CSD-Guides sind ein unterschätztes Format. Ein Creator, der für Berlin, Köln, München, Wien oder Zürich erklärt, was es zu erleben gibt, welche Veranstaltungen wichtig sind, welche queeren Orte man kennen sollte – das ist inhaltlich wertvoll, lokal relevant und für das Publikum tatsächlich nützlich. Marken, die solche Guides ermöglichen, ohne sie mit Produktplatzierungen zu überladen, gewinnen dabei an Glaubwürdigkeit.

·      Behind-the-Scenes-Content über den Aufbau der Partnerschaft selbst ist ein Format, das Transparenz schafft. Wenn ein Creator erklärt, wie die Zusammenarbeit entstanden ist, welche Fragen er oder sie der Marke gestellt hat, und warum er oder sie die Partnerschaft eingegangen ist: Dann ist das eine Form von Accountability, die Rainbow-Washing strukturell erschwert.

·      Community Spotlights: Creators, die queere Gründer:innen, Künstler:innen, NGO-Vertreter:innen oder Mitarbeitende der Marke selbst interviewen, erweitern die Perspektive und geben der Kampagne eine Tiefe, die ein einzelner Werbepost nie erreichen kann. Dieses Format eignet sich besonders für YouTube und LinkedIn, kann aber auch als Podcast-Episode oder Instagram-Live umgesetzt werden.

·      Produktbezogene Inhalte funktionieren in Pride-Kampagnen dann, wenn sie mit einem konkreten Engagement verknüpft sind: einem Spendenanteil, einer langfristigen Partnerschaft mit einer queeren Organisation, einem nachweisbaren Beitrag. „Kaufe dieses Produkt und wir spenden X Prozent an Y" ist nur dann glaubwürdig, wenn Y eine Organisation ist, mit der die Marke bereits vor Juni zusammengearbeitet hat. Oder wenn die Partnerschaft über den Sommer hinaus fortgesetzt wird.

·      Myth-Busting-Content: Creators, die häufige Fehler von Marken im Pride-Kontext erklären und einordnen. Dies ist ein Format, das Mut erfordert, aber starke Resonanz erzeugt. Es funktioniert besonders gut auf TikTok und Instagram Reels, weil es eine klare Meinung hat, Diskussionen anregt und den Creator als glaubwürdige Stimme positioniert.

·      Comment-driven Videos, in denen Creators Fragen ihres Publikums zu Pride, Allyship oder Inklusion beantworten, sind ein weiteres Format mit hohem Community-Wert. Sie signalisieren: Dieser Creator hört zu. Und die Marke im Hintergrund auch.

Die übergeordnete Empfehlung für alle Formate: Das Produkt sollte nicht der Held sein. Der Creator, die Community und die Botschaft führen. Marken, die das verstehen, erzielen stärkere Ergebnisse, weil sie Inhalte ermöglichen, die Menschen tatsächlich sehen wollen.

Rainbow-Washing: Welche Aspekte unterstützen die Glaubwürdigkeit einer Marke?

Rainbow-Washing lässt sich nicht durch gute Absichten verhindern. Es lässt sich nur durch konkrete Entscheidungen verhindern: in der Kampagnenplanung, in der Creator-Auswahl, in der internen Unternehmenskultur und in der langfristigen Markenstrategie. Die folgenden Fragen sollten vor jeder Pride-Kampagne ehrlich beantwortet werden:

·      Ist die Kampagne mit einem echten Marken-Commitment verbunden? Nicht mit einer Absichtserklärung, sondern mit einer nachweisbaren Handlung – einer Firmen-Partnerschaft mit einer queeren Organisation, einer internen Diversity-Maßnahme, einem konkreten Spendenversprechen?

·      Waren LGBTQIA+-Creators an der Entwicklung des Konzepts beteiligt, nicht nur an der Ausführung? Haben sie die Möglichkeit gehabt, das Briefing zu hinterfragen, Ideen einzubringen, Grenzen zu setzen?

·      Werden Creators fair bezahlt? Entspricht die Vergütung dem Marktstandard und berücksichtigt sie die emotionale Arbeit, die Pride-Content mit sich bringt?

·      Ist die Kampagne über einen einzigen Post hinaus aktiv? Gibt es Inhalte vor, während und nach den Pride-Events? Gibt es eine Fortsetzung im Herbst?

·      Sind die internen Teams mit der externen Botschaft im Einklang? Eine Marke, die nach außen Inklusion kommuniziert, während intern LGBTQIA+-Mitarbeitende benachteiligt werden, wird früher oder später damit konfrontiert.

·      Ist die Kampagne lokal relevant? Spricht sie die spezifischen Kontexte in Deutschland, Österreich und der Schweiz an? Oder ist sie eine generische globale Vorlage mit deutschem Text?

·      Ist die Marke auf Kommentarmoderation vorbereitet? Pride-Content kann Hasskommentare anziehen. Creators müssen wissen, dass die Marke sie dabei schützt: durch klare Moderationsregeln, durch schnelle Reaktion und durch öffentliche Solidarität, wenn es nötig ist.

·      Werden Offenlegungspflichten eingehalten? Bezahlte Kooperationen müssen in Deutschland, Österreich und der Schweiz klar als solche gekennzeichnet sein. Kolsquare bietet mit seinem Compliance Score ein Werkzeug, um Creators zu identifizieren, die diese Regeln konsequent einhalten.

·      Ist die Partnerschaft transparent? Weiß das Publikum, wie die Zusammenarbeit entstanden ist, was die Marke dazu beiträgt und was der Creator dafür erhält?

·      Und schließlich: Gibt es einen inhaltlichen Grund, warum diese Marke in dieser Konversation eine Stimme haben sollte? Nicht jede Marke muss zum Pride sprechen. Aber jede Marke, die es tut, sollte wissen, warum.

Wird gerne vergessen: Die Auswertung der Ergebnisse

Measurement ist der Teil von Influencer-Marketing-Kampagnen, der am häufigsten zu kurz kommt – entweder, weil er auf reine Reichweitenzahlen reduziert wird, oder weil er nach dem letzten Post schlicht vergessen wird. Dabei ist eine sorgfältige Auswertung nicht nur für das Kampagnen-Reporting wichtig, sondern auch für die Entscheidung, welche Creator-Beziehungen langfristig weitergeführt werden sollten.

Der Earned Media Value (EMV) ist eine nützliche Kennzahl, um den wirtschaftlichen Wert von Creator-Content zu quantifizieren. Aber er sollte nicht als einzige Messgröße dienen. Für Pride-Kampagnen sind Kommentarqualität, Audience Trust, Creator-Glaubwürdigkeit und Authentizität mindestens genauso relevant. Ein Post mit hohem EMV, aber toxischen Kommentaren, hat der Marke möglicherweise mehr geschadet als genutzt.

Folgende KPIs sollten für Pride-Creator-Kampagnen in der DACH-Region systematisch erfasst werden:

Die Engagement Rate im Vergleich zum üblichen Marken-Benchmark gibt Aufschluss darüber, ob Pride-Content das Publikum stärker aktiviert als reguläre Inhalte. Der EMV der Pride-bezogenen Creator-Inhalte quantifiziert den Gesamtwert der Kampagne. Kommentarsentiment und -qualität zeigen, wie die Botschaft tatsächlich ankommt – und ob sie Diskussionen anregt, die der Marke nützen. Saves und Shares sind besonders wertvolle Signale: Sie zeigen, dass Menschen den Inhalt für relevant genug halten, um ihn zu bewahren oder weiterzugeben.

Der Audience Fit – also wie gut das Publikum des Creators zur Zielgruppe der Marke passt – sollte vor der Kampagne definiert und nach der Kampagne überprüft werden. Der Anteil des DACH-Publikums, der durch die Kampagne erreicht wurde, ist für lokal relevante Marken eine zentrale Kennzahl. Die Performance nach Markt – Deutschland versus Österreich versus Schweiz – gibt Hinweise darauf, wo die Kampagne besonders starke Resonanz bekam und wo nachgesteuert werden sollte.

Kolsquare ermöglicht, all diese Metriken auf Creator-Ebene zu vergleichen und die Performance verschiedener Formate gegenüberzustellen. Welche Content-Typen haben die meisten Saves generiert? Welche Creator haben die qualitativ stärksten Kommentare erhalten? Welche Märkte haben besonders gut reagiert?

Die vielleicht wichtigste Frage am Ende einer Pride-Kampagne ist aber keine Zahl: Welche Creator-Beziehungen sollten über den Sommer hinaus weitergeführt werden? Welche Partnerschaften haben sich als so tragfähig erwiesen, dass sie im Herbst, im Winter und im nächsten Frühjahr sinnvoll fortgesetzt werden können? Diese Frage zu beantworten, ist der erste Schritt weg von einer saisonalen Kampagne und hin zu einer echten Markenstrategie.

DACH: Warum es wichtig ist, kulturelle, rechtliche und politische Unterschiede zu kennen

Die DACH-Region ist kein homogener Markt – weder kulturell, noch rechtlich, noch politisch. Marken, die das ignorieren und eine einheitliche Pride-Kampagne für Deutschland, Österreich und die Schweiz entwickeln, verpassen nicht nur Nuancen. Sie riskieren, an der Realität ihrer Zielgruppe vorbeizukommunizieren.

Die ILGA-Europe Rainbow Map 2026 liefert dafür einen nützlichen Referenzrahmen. Deutschland belegt Platz 7 mit einem Score von 70 Prozent – ein Anstieg, der allerdings hauptsächlich auf den Rückgang anderer Länder zurückzuführen ist, nicht auf neue Gesetzgebung. Österreich hält Platz 16 mit 55 Prozent, nachdem das Bundesgleichbehandlungsgesetz um Schutzmerkmale für Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck erweitert wurde. Die Schweiz fällt auf Platz 20 mit 50 Prozent – ein Rückgang, der weniger auf neue Rückschritte hindeutet als auf eine Stagnation seit 2023. Drei Länder, drei unterschiedliche rechtliche und gesellschaftliche Ausgangssituationen.

Diese Unterschiede haben praktische Konsequenzen für Kampagnen. Was in Deutschland als selbstverständlich gilt – etwa die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder der Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz –, ist in der Schweiz oder Österreich in Teilen noch umkämpft oder weniger verankert. Creators aus diesen Ländern sprechen aus einem anderen Kontext. Ihr Publikum lebt in einer anderen Realität.

Gleichzeitig zeigt die dritte EU-LGBTIQ-Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte aus dem Jahr 2024, dass Diskriminierung und hassgeleitete Gewalt in ganz Europa weiterhin real sind – mit besonders hoher Betroffenheit bei trans und intergeschlechtlichen Menschen. Die Umfrage, an der über 140.000 Menschen in der EU, dem Vereinigten Königreich, Serbien und Nordmazedonien teilnahmen, zeigt: LGBTIQIA+-Menschen erleben zwar in manchen Bereichen weniger Diskriminierung als noch 2020, aber gleichzeitig mehr körperliche und sexuelle Übergriffe. Für Marken bedeutet das: Pride ist kein leichtes, unverbindliches Thema. Es ist ein Thema mit realen Konsequenzen für reale Menschen.

Für Deutschland kommen Zahlen des Bundeskriminalamts hinzu, die der LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) regelmäßig auswertet: Die Zahl der gemeldeten Straftaten mit Bezug zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität ist zuletzt gestiegen. Das hat direkte Auswirkungen auf Creator-Sicherheit: Wer öffentlich als LGBTQIA+-Person sichtbar ist, ist exponiert. Marken, die mit solchen Creators zusammenarbeiten, tragen eine Mitverantwortung dafür, dass diese Sichtbarkeit nicht zur Zielscheibe wird: durch aktive Kommentarmoderation, durch klare Community-Guidelines und durch öffentliche Solidarität, wenn es zu Angriffen kommt.

Das Fazit: Marken müssen nicht von heute auf morgen zu Aktivistinnen werden. Aber wenn sie in Pride-Konversationen eintreten, müssen sie den Kontext kennen, Creators schützen und Konsistenz zeigen. Nicht nur im Juni. Nicht nur in einem Post. Sondern in dem, was sie tun, wenn niemand zuschaut.

Fragen und Antworten

Was ist Rainbow-Washing?

Ein UNternehmen, das Pride-Farben oder LGBTQIA+-Botschaften nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, ohne dabei sinnvolle Unterstützung, glaubwürdige Maßnahmen oder Engagement für die Community zu zeigen.

Wie können Marken LGBTQIA+-Creators in der DACH-Region finden?

Nutze Influencer-Marketing-Plattformen wie Kolsquare, um nach Standort, geografischer Verteilung der Zielgruppe, Interessen, bisheriger Content-Historie, Engagement und Signalen zur Markensicherheit zu filtern.

Wann sollten Marken mit der Planung von Pride-Partnerschaften mit Creators beginnen?

Idealerweise mehrere Monate vor der Pride-Saison. In der DACH-Region sollte die Planung Veranstaltungen von Ende Mai bis Ende Juli berücksichtigen.

Welche KPIs sind im Pride-Influencer-Marketing wichtig?

Engagement-Rate, EMV, Zielgruppenpassung, Stimmung, Qualität der Kommentare, Speichervorgänge, Shares und langfristige Affinität zwischen Creator und Marke.

Sollten Marken während des Pride-Monats mit Allies zusammenarbeiten?

Ja, aber verbündete Creators sollten die Kampagne unterstützen, ohne die Stimmen der LGBTQIA+-Community zu ersetzen.

Über Kolsquare

Kolsquare ist Europas führende Influencer Marketing Plattform, eine datengesteuerte Lösung, mit der Marken ihre Bekanntheit und ihren Umsatz durch authentische Content-Kollaborationen mit inspirierenden KOLs (’Key Opinion Leader’) steigern können.Unsere innovative Technologie ermöglicht es, durch AI und Big Data die besten KOL-Profile zu identifizieren Marketingkampagnen zu erstellen und verwalten, Ergebnisse zu analysieren und Wettbewerber zu analysieren - alles in einem Tool.Kolsquare arbeitet mit Hunderten von internationalen Kunden zusammen (Coca-Cola, Netflix, Sony Music, Publicis, Sézane, Sephora, El Corte Inglés, Vinted, u.v.m. ) und bietet Zugang einer umfassenden Datenbank an KOLs, die alle Profile mit mehr als 5000 Followern in 180 Ländern auf Instagram, TikTok, Twitter, Facebook und YouTube abdeckt. Intuitive Automatisierungssoftware, Big Data, und eine Reihe von Add-ons und Integrationen (z.B. Shopify) optimieren dazu den Workflow und ermöglichen Marken und Agenturen, effizient den perfekten Partner für ihre Zielgruppe zu finden und einen dauerhaften ROI und Markenbekanntheit zu sicher.

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